Christian Roppelt

Framing: Der Kampf um die Deutungshoheit. Ein rhetorischer Blick auf die Enthüllungen Edward Snowdens

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Schaut man auf die zurückliegenden Diskussionen um die NSA-Enthüllungen Edward Snowdens fällt auf, dass sprachliche Bilder eine wichtige Rolle im Kampf um die Deutungshoheit der Meinungen spielen. Gerade mit Blick auf die ambivalenten Deutungen seiner Rolle als „Verräter“ oder „Held“  lohnt sich ein kurzer Blick auf die Idee des framing, das eine Einbettung oder Etikettierung kommunikativer Botschaften oder Sachverhalte in subjektive Deutungsrahmen beschreibt.

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Christian Roppelt

Was kann ein Verhandlungsführer von einem Feldherren lernen? Teil 1 – Strategie

Carl von ClausewitzAuf den ersten Blick scheint ein Vergleich der Disziplinen Rhetorik und Kriegsführung unangemessen. Während beispielsweise die Kommunikationssituation einer Verhandlung gegensätzliche Interessen im gewaltfreien Streit durch  rhetorische Überzeugungsarbeit zu lösen sucht,  impliziert eine kriegerische Lösung das Ausüben physischer Gewalt.
Auf den zweiten Blick aber ergeben sich eine Reihe entscheidender Gemeinsamkeiten.

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Christian Roppelt

Verhandeln Frauen besser als Männer?

BoxenSchlagfertigRhetorik

Eine aktuelle Studie der Universität Hohenheim hat ergeben: Nein, ganz im Gegenteil! Männer erzielen in Verhandlungen deutlich bessere Ergebnisse als Frauen. Doch ist das die ganze Wahrheit? Seit den 1980er-Jahren gibt es spezifische Rhetorikratgeber, die sich ausdrücklich an Frau­en rich­ten. Dabei geht es vor allem  um die Fä­hig­keit zur „ago­na­len Rede“, also auf das „Streiten“ausgerichtete Kommunikation. Dieser Kommunikationsstil wurde in der Be­rufs­welt als ex­pli­zit männ­lich und ag­gres­siv wahr­ge­nom­men. Da wird von den Frau­en ge­for­dert die Sym­pa­thie­fes­sel, die Be­schei­den­heit und das ko­ope­ra­ti­ve Ge­sprächs­ver­hal­ten ab­zu­strei­fen, um statt­des­sen die ago­na­le Rhe­to­rik als Mo­dell be­ruf­li­cher Kom­mu­ni­ka­ti­on zu eta­blie­ren. Die­sem Ge­dan­ken fol­gend, dürf­te sich eine Frau nur mit einem männ­lich kon­notier­tem Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ver­hal­ten in der Be­rufs­welt durchsetzen.​ Muss die Frau demnach zum bes­se­ren Mann wer­den, um er­folg­reich ver­han­deln zu kön­nen?

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Rückblick: Joachim Gaucks Gelegenheitsrede

Joachim Gauck hat am vergangenen Freitag eine gute Rede gehalten. Aber dennoch wird seine Rede einige enttäuscht haben. Doch diese Enttäuschung war notwendig, und sie liegt nicht in einem Mangel an rhetorischer Kompetenz, sondern ist gerade Folge seiner Kompetenz.

Enttäuscht sein musste jeder, der von Gauck ein entschiedenes Plädoyer zu den wichtigen Themen unserer Zeit erwartet hatte (zur Frage, ob und wie die Macht des Kapital national und international begrenzt werden kann; zur Frage, ob und wie wir unsere natürlichen Lebensgrundlagen lokal und global erhalten können, zur Frage, wie unser Bildungssystems zu gerecht gestaltet werden kann usw.). Ein solches Plädoyer wollte und durfte Gauck hier nicht halten – und es muss vorerst offen bleiben, ob er es gekonnt hätte. Für diese Zurückhaltung gibt es drei Gründe.

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