Christian Roppelt

Verhandeln Frauen besser als Männer?

BoxenSchlagfertigRhetorik

Eine aktuelle Studie der Universität Hohenheim hat ergeben: Nein, ganz im Gegenteil! Männer erzielen in Verhandlungen deutlich bessere Ergebnisse als Frauen. Doch ist das die ganze Wahrheit? Seit den 1980er-Jahren gibt es spezifische Rhetorikratgeber, die sich ausdrücklich an Frau­en rich­ten. Dabei geht es vor allem  um die Fä­hig­keit zur „ago­na­len Rede“, also auf das „Streiten“ausgerichtete Kommunikation. Dieser Kommunikationsstil wurde in der Be­rufs­welt als ex­pli­zit männ­lich und ag­gres­siv wahr­ge­nom­men. Da wird von den Frau­en ge­for­dert die Sym­pa­thie­fes­sel, die Be­schei­den­heit und das ko­ope­ra­ti­ve Ge­sprächs­ver­hal­ten ab­zu­strei­fen, um statt­des­sen die ago­na­le Rhe­to­rik als Mo­dell be­ruf­li­cher Kom­mu­ni­ka­ti­on zu eta­blie­ren. Die­sem Ge­dan­ken fol­gend, dürf­te sich eine Frau nur mit einem männ­lich kon­notier­tem Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ver­hal­ten in der Be­rufs­welt durchsetzen.​ Muss die Frau demnach zum bes­se­ren Mann wer­den, um er­folg­reich ver­han­deln zu kön­nen?

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Rückblick: Joachim Gaucks Gelegenheitsrede

Joachim Gauck hat am vergangenen Freitag eine gute Rede gehalten. Aber dennoch wird seine Rede einige enttäuscht haben. Doch diese Enttäuschung war notwendig, und sie liegt nicht in einem Mangel an rhetorischer Kompetenz, sondern ist gerade Folge seiner Kompetenz.

Enttäuscht sein musste jeder, der von Gauck ein entschiedenes Plädoyer zu den wichtigen Themen unserer Zeit erwartet hatte (zur Frage, ob und wie die Macht des Kapital national und international begrenzt werden kann; zur Frage, ob und wie wir unsere natürlichen Lebensgrundlagen lokal und global erhalten können, zur Frage, wie unser Bildungssystems zu gerecht gestaltet werden kann usw.). Ein solches Plädoyer wollte und durfte Gauck hier nicht halten – und es muss vorerst offen bleiben, ob er es gekonnt hätte. Für diese Zurückhaltung gibt es drei Gründe.

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